Glücksspielsucht, Spielsucht, Therapie – mein persönlicher Blog über meine Glücksspielsucht und meinen Umgang mit ihr. Über meine stationäre Therapie, die Hilfe meiner Frau, meine Selbsthilfegruppe für Glücksspielsucht und mein neues Leben!

Buchkritik: Die allzeit bereite Dosis Instantglück

10. April 2016
von Kai Sender

Haben den Kampf mit der Sucht gemeinsam aufgenommen: Gisela und Kai Sender

Haben den Kampf mit der Sucht gemeinsam aufgenommen: Gisela und Kai Sender

Kai Sender ist Suchtexperte aus eigener Erfahrung. Seit 22 Jahren ist er trockener Alkoholiker. Vor einigen Jahren unterlag er einer Suchtverlagerung auf Glücksspiel. „Ich war zwar trocken, aber nicht nüchtern und hatte bis dato die Ursache meiner Sucht nicht aufgearbeitet“, meint Sender. Nach einer stationären Therapie von vier Monaten Dauer ist er seit fünf Jahren „spielfrei“ – so nennt man die Abstinenz vom Glücksspiel.

„Ich habe meine Sucht im Blick. Das muss ich auch“, meint Sender, „denn es ist eine Krankheit, die nicht geheilt, sondern nur gestoppt werden kann. Und ich muss mich bis zum meinem Lebensende beobachten.“ Er selbst brauche es, dass er offensiv mit seiner Sucht umgehe, dass er darüber rede und schreibe. Er brauche es, eine Selbsthilfegruppe zu haben und sich wöchentlich mit anderen Glücksspielsüchtigen zu treffen. Das Schöne an diesem offensiven Bekenntnis zur Sucht sei, dass er noch keine negative Reaktion darauf erhalten habe.

Zum Glückspiel ist Sender gekommen, weil es für ihn dieselben Funktionen erfüllte wie die Alkoholsucht: Flucht vor der Realität, vor unangenehmen Gefühlen. Statt sich Problemen oder Konfliktsituationen zu stellen, spielte er lieber Poker im Internet. „Ich gestand mir meine unangenehmen Gefühle nicht zu“, sagt Sender, „und hatte arge Probleme, sie überhaupt wahrzunehmen. Immer, wenn es mir nicht so gut ging, hatte ich ja meine Dosis „Instantglück“, nämlich das Glücksspiel.“

Vor seiner Frau Gisela konnte er die Summen, die er verspielte, verstecken, indem er die Einsätze ausschließlich von seinem Geschäftskonto bezahlte. „Ich fiel aus allen Wolken, als Kai mir eines Tages seine Online-Zockerei gebeichtet hat“, meint Gisela Sender. Spieler seien eben auch Schauspieler und würden ebenfalls mit den Menschen um sie herum spielen. Während Kai auf Rat seiner Ärztin in eine geschlossene Einrichtung der Psychiatrie ging, suchte Gisela sich vergeblich Hilfe. „Die Angebote für Angehörige von Süchtigen waren zu dem Zeitpunkt, kurz vor Weihnachten, nicht erreichbar. So war es sehr mühsam, Informationen über die Glücksspielsucht zu erhalten.“

Über diese Anfangszeit und die fünf Jahre der Spielfreiheit darauf berichten beide sehr offen in ihrem Buch „Unser Suchtbericht.“

Sie erzählen von ihrer jeweils eigenen Angst, ihren Hoffnungen und dem Weg, den beide bis heute gehen. Ihr Suchtbericht macht Mut, sich der Sucht zu stellen und den Kampf aufzunehmen.

 

 

 

 

Drogen- und Suchtbericht

22. März 2016
von Kai Sender

Mein ganz persönlicher Drogen- und Suchtbericht.

Mein ganz persönlicher Drogen- und Suchtbericht.

Mein ganz persönlicher und damit für mich offizieller Drogen- und Suchtbericht ist jetzt auch als Buch erhältlich.

Was ich an diesem Suchtbericht hier so faszinierend finde: Mein Selbsttest Glücksspielsucht hat in den letzten 12 Monaten mehr als 1.300 Teilnehmer gehabt. Das sind über einhundert Teilnehmer pro Monat. Ich werte das Gesamtergebnis gerade aus. Ich kann schon mal sagen: über 70 Prozent der Teilnehmer haben ein bedenkliches Spielverhalten.

Mein Terminplan ist voll. Am Sonnabend erst war ich zu einem Gruppenleitertreffen in Neuss. Ein Austausch untereinander, ein Hilfe-holen für schwierige Gruppensituationen und selbst Ratschläge geben können – das alles macht Spaß, ist anstrengend und sehr befriedigend.

Diesen Donnerstag werde ich am Symposium Glücksspielsucht an der Universität Hamburg teilnehmen können. Wieder etwas Neues und Spannendes.

Und dann habe ich in diesem Jahr eine Lesung nach der anderen, vor Selbsthilfegruppen, in Präventionseinrichtungen, Kliniken und sogar „normalen“ Büchereien. Auch das ist aufregend und eine Bestätigung meiner Arbeit.

Daher: Weitermachen!

PS:

keine-spielhallenbesitzer

Von plietschen Leitern, Fernsehfieber, Buchrennern und einer guten Senatorin

1. Januar 2016
von Kai Sender

Wir sind zufrieden. Sieht man das?

Wir sind zufrieden. Sieht man das?

Was für ein merkwürdiges Jahr geht zu Ende, das fünfte Jahr meiner Spielfreiheit, das beste Jahr überhaupt: Außerordentlich erfolgreich war es, mit so vielen neuen Eindrücken, neuen Freunden und Bekannten, mit einem mördermässig schönen Luxusurlaub, wie Gisela und ich sie früher auch erleben konnten.

Nun, im fünften Jahr, war es für uns wieder möglich , uns drei Wochen Erholung in unserem Lieblingsurlaubsstrandland zu gönnen. Und wir haben jeden einzelnen Sonnen- und Regentag absolut und ganz und gar ausgekostet, wir waren von der ersten bis zur letzten Sekunde einfach nur glücklich, dankbar und ausgelassen. (An einem Sonnabend haben wir an einem Ostseestrand auf den Aufgang der Sonne gewartet und am selben Tag ihren Untergang über der Nordsee angeschaut. Also wenn das nicht romantisch ist.) „Das haben wir uns wieder verdient!“

Sonnenaufgang über der Ostsee in Sæby.

Sonnenaufgang über der Ostsee in Sæby.

Sonnenuntergang am selben Tag über der Nordsee in Tversted.

Sonnenuntergang am selben Tag über der Nordsee in Tversted.

Kurz vorher hatten wir unser Buch fertiggestellt und in den Handel gebracht. Das war sehr aufregend und mit großer Hoffnung verbunden. Kauft überhaupt irgendjemand das Ding? Es ist ja nun, seien wir ehrlich, nicht der romantische Liebesknüller oder der nervenaufreibende Agententhriller für einen spannenden Leseabend vor dem Kamin. Niemand erwirbt es zum Zeitvertreib. Wer den Suchtbericht kauft, der hat irgendwie mit Glücksspielsucht zu tun, entweder selbst als Zocker oder als Angehörige(r).

Das Verkaufsposter für unseren Suchtbericht.

Das Verkaufsposter für unseren Suchtbericht.

Am Ende des Jahres kann ich – und darüber bin ich immer noch so erstaunt wie beim ersten Buchverkauf – feststellen, dass unser Buch sich zu einem Renner entwickelt hat. Offensichtlich trifft es genau den Nerv, dass in unserem Suchtbericht aus der Sicht eines Betroffenen und einer Angehörige berichtet wird. Sogar in den USA wurde schon eines verkauft. Und zwar ein gebrauchtes Exemplar. Und auch auf eBay Australien hat ein Buchverkauf stattgefunden. Wie klein auf einmal die Welt ist. (Also jetzt mal ernst: Ich staune immer noch.)

Wundersame Dinge passieren: Den Klappentext meines Buches haben zwei Casinoseiten zum Anlocken für Süchtige genutzt. Sie haben die Suchmaschinen (Na, welche wohl?) mit einem Trick (einem simplem Javascript) getäuscht. Wer dann nach Hilfe für Glücksspielsüchtige gesucht hat oder nach mir (ist das dasselbe?), bekam das unendlich freundliche Angebot, doch bitteschön einzuzahlen und sein Geld mindestens zu verdoppeln.

Für alle Poker-Haie da draußen hat Casino Classic reichlich Pokerspiele im Angebot, um Sie für lange Zeit an den Bildschirm zu fesseln und verfügt zudem über hohe Jackpots. Wir bieten Video Poker Standardtitel wie z.B. Aces and Eights Video Poker, Bonus Deuces Wild Video Poker, Tens or Better Video Poker und Jacks of Better Video Poker. Zusätzlich gibt es Level Up Poker, Power Poker,
"Kommet her, all Ihr Süchtigen, wir wollen Euch auch das letzte Hemd nehmen!"

„Kommet her, all Ihr Süchtigen, wir wollen Euch auch das letzte Hemd nehmen!“

Diese Industrie besteht eben aus einer Bande von Schmocks. Leider sind die technisch ziemlich gut. Sie pfeifen auf Anstand, Gesetze und Moral und ziehen das Geld aus den Taschen der Süchtigen.

Es gab eineinhalb Tage lang Fernsehaufnahmen bei uns Zuhause und noch einmal im Marienstift. Das müsste mittlerweile das bekannteste Marienstift in Deutschland sein. Jetzt kennen es sogar… ich weiß nicht, wie viele, aber einige Hunderttausend Schweizer werden es wohl sein, die den Bericht von NZZ Format gesehen haben, in dem Gisela und ich zu sehen sind. Ich hatte das Marienstift als Drehort empfohlen, als mich die Redakteurin das erste Mal angerufen hatte, weil sie auf diesen Blog hier aufmerksam geworden war und noch am Anfang ihrer Recherchen stand. Irgendwann im kommenden Frühjahr wird die Dokumentation auf 3Sat ausgestrahlt. Öffentlicher kann ich mich kaum machen.

Für eine Dokumentation über Glücksspielsucht waren Sibylle Tiessen und Peter Hammann im Haus.

Für eine Dokumentation über Glücksspielsucht waren Sibylle Tiessen und Peter Hammann im Haus.

Interviews mit Zeitungen stehen schon im Terminkalender, gleich am ersten Sonntag des Jahres erscheint der erste Zeitungsartikel über den Suchtbericht. Einladungen zu Lesungen gibt es auch schon. So kann es weitergehen. Das Interesse der Medien ist groß.

Seit das Buch auf dem Markt ist, erhalte ich noch öfter Mails und Anrufe von Süchtigen als bisher, mehr noch von Angehörigen. Das ist in Ordnung so, auch wenn es gelegentlich nervt, weil es anstrengend ist.

Einer der Höhepunkte meines Suchtjahres war der Besuch der 27. Fachtagung des Fachverbandes Glücksspielsucht e.V. in Berlin im Dezember. So viele gute Vorträge (der sehr lebendige Vortrag von Dr. Tobias Hayer! http://www.tobha.de/ ) mit für mich teilweise neuen Erkenntnissen und neue Kontakte im Suchtbereich bundesweit. Ich hatte die Hoffnung mitgebracht, Kontakt zu anderen Selbsthilfegruppe zu finden. Jetzt stehe ich in Verbindung zu anderen sehr pfiffigen Selbsthilfegruppen und ihren Leitern. Das tut gut.

Ich erhielt auf der Tagung einen Stand für meinen Buchverkauf. Hatte ich vorher noch gedacht, dass ich vielleicht das eine oder andere Exemplar verkaufen würde, eventuell und mal sehen, ob das überhaupt klappt, nech? So bin ich am Ende der Tagung doch tatsächlich alle mitgebrachten Bücher losgeworden. Sagenhaft! Ich wurde behandelt wie eine Berühmtheit und konnte das erst einmal nicht glauben, ich ging wie auf Wolken!

27. Jahrestagung Wissenschaftliche Fachtagung des Fachverbandes Glücksspielsucht e.V.

27. Jahrestagung Wissenschaftliche Fachtagung des Fachverbandes Glücksspielsucht e.V.

Im Laufe des Jahres haben über 800 Menschen meinen Selbsttest Glücksspielsucht gemacht. (http://www.suchtbericht.de/2014/06/05/selbststest-gluecksspielsucht) Die Nachfrage nach diesem Test ist offenbar groß.

Am Anfang des Jahres musste ich leider auf die Beerdigung meines bewunderten Therapeuten Horst Schwennen. (http://www.suchtbericht.de/2011/12/16/kann-mir-jemand-den-zu-weihnachten-schenken) Ich hatte seit meiner Therapie einen guten Kontakt zu ihm. Er hat mir einige Male geholfen, als eine Art Supervisor. Ich behalte ihn in meinem Herzen.

Im Laufe des Jahres hat sich mein Eindruck bestätigt, dass fast alle Menschen um mich herum sich mit mir über meinen Erfolg freuen.

Ich habe im Plenum des Selbsthilferinges Bremen (http://www.netzwerk-selbsthilfe.com/selbsthilfering.html), in dessen Beirat ich sitze, zusammen mit Gisela unsere Selbsthilfegruppen für die Betroffenen und die Angehörigen vorgestellt. Im Dezember waren wir zu einem Senatsempfang ins Bremer Rathaus eingeladen, als Dankeschön für die ehrenamtliche Arbeit. Das hat meinem Ego sehr gut getan. (Also echt jetzt: „Ich bin zu einem Senatsempfang geladen“ – das schreibe ich zu gerne! )

Sie hat es nicht leicht angesichts leerer Kassen in Bremen und sie macht das Beste daraus: Senatorin für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen der Freien Hansestadt Bremen.

Sie hat es nicht leicht angesichts leerer Kassen in Bremen und sie macht das Beste daraus: Anja Stahmann, Senatorin für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen der Freien Hansestadt Bremen.

Ich bin den richtigen Weg gegangen, habe das Jahr bewusst und klar gestaltet und in die Hand genommen. Es warten für 2016 neue interessante Aufgaben und Begegnungen. Ich bin sehr dankbar dafür.

Gerührt und nicht geschüttelt: Weitermachen!

PS: Klarheit und Wahrheit im Umgang mit sich selbst und anderen sind die Grundpfeiler unseres Lebens. Wenn das nicht gelebt wird, geht es schief.

PPS: Einen Gruß nach Fellbach, Halle/Saale und Bielefeld. Und an die Leiter der SHGs dort.

PPPS: An die Schmocks und Ganoven von Casinoclassic – Wenn Ihr schon von meinem Texten profitiert, dann überweist das übliche Honorar dafür wenigstens an die Selbsthilfe.

Darf ich vorstellen: Mein Buch über meine Glücksspielsucht und Therapie

19. Oktober 2015
von Kai Sender

Hier ist es jetzt, unser Buch über meine Glücksspielsucht, meine Therapie und unseren gemeinsamen Umgang mit der Spielsucht.

Hier ist es jetzt, unser Buch über meine Glücksspielsucht, meine Therapie und unseren gemeinsamen Umgang mit der Spielsucht.

UNSER SUCHTBERICHT

Kai und Gisela Sender erzählen, wie sie die Krise bewältigt haben, in die sie Kais Glücksspielsucht gestürzt hat. Kai zeigt sein Tagebuch einer stationären Therapie und des ersten Jahres danach. Gisela berichtet aus ihrem Blickwinkel. Das alles wird entwaffnend ehrlich, aber auch mit viel Humor erzählt.

„Wir haben es geschafft und hoffen, mit diesem Bericht Betroffenen und Angehörigen Mut zu machen, den Weg aus der Sucht anzutreten. Es lohnt sich.“

Während Gisela und ich endlich wieder in unserem Lieblingsurlaubsland die Zeit genießen können, ist unser Buch in den Handel gekommen. Es ist ehrlich, heftig, bewegend, peinlich, wütend, traurig, trotzig – es ist die Wahrheit, so wie Gisela und ich sie erlebt haben und immer noch erleben.

Ihr könnt es hier bestellen:

bei Amazon

bei Bücher.de

bei Buch.de 

bei Thalia.de

bei Bod.de

oder mit der ISBN 9783738630879 im „realen“ Buchhandel. Es kostet 24,90 Euro und ist extrem preiswert.

Ich habe diesen Blog verschlankt – die Artikel sind jetzt im Buch zu finden. Und das nächste Buch ist schon in Arbeit.

Gespannt: Weitermachen!

PS: Es gibt so vielen Menschen Dankeschön zu sagen. Es gibt so viele wichtige Menschen in meinem Leben, die mir geholfen haben. Ich danke Euch!