Glücksspielsucht, Spielsucht, Therapie - mein persönlicher Blog über meine Glücksspielsucht und meinen Umgang mit ihr. Über meine stationäre Therapie, die Hilfe meiner Frau, meine Selbsthilfegruppe für Glücksspielsucht und mein neues Leben!

Der Start

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Das bin ich: Kai Sender

Das bin ich: Kai Sender

Es ist Ostersonntag 2011 und ich hätte nicht gedacht, diesen Tag zu erreichen…jetzt geht es los, mein Suchttagebuch.

Seit dem 8. Dezember 2010 bin ich spielfrei, seit dem 15.11.1994 bin ich trocken.

Momentan warte ich auf die Genehmigung meiner stationären Entwöhnungsbehandlung – so nennt man die Langzeittherapie in einer Klinik. Ich hoffe, sie wird mir genehmigt, ich hoffe, ich komme in meine Wunschklinik Dammer Berge und ich hoffe – ich schaffe es.

Der Tag ist sonnig, gleich kommt die Familie, unten im Wohnzimmer hört meine Frau Ina Müllers neue CD, ein Ostergeschenk von mir.

Ich werde hier schreiben, wie und was ich denke, ohne Hemmungen – weil ich hoffe, dass es jemandem weiterhelfen kann, der ähnliches erlebt hat wie ich und der ähnlich verzweifelt ist oder war…

Vielleicht liest es ja auch niemand…dann aber hat es wenigstens mir selbst geholfen. Denn wenn man manche Gedanken ausspricht oder schreibt, werden sie einem noch einmal so klar. Das erlebe ich immer wieder in den Suchtgruppen, an denen ich teilnehme. Das sind fünf Stück in der Woche…drei davon im Klinikum Bremen-Nord auf der Station P1, eine auf der Station P2 (die sogenannte Motivationsgruppe bei Frau G.) und jeden Donnerstagabend in der GGG – Gemeinsam gegen Glücksspielsucht.

Anmerkung drei Monate später:

Ich bin jetzt in der Langzeittherapie in der Klinik St. Marienstift, es ist viel passiert mit mir, um mich herum, mit Gisela und mir…ich habe mich schon etwas verändert. Das reicht mir noch nicht. Aber ich habe ja auch noch Zeit.

Wer die Entwicklung verfolgen will, klickt einfach jeweils auf nächster Artikel ganz unten auf der Seite, wer wissen möchte, wie es mir heute geht, gehe auf die Startseite.

Die ersten Artikel hatte ich noch zuhause geschrieben, sie sind kurz im Vergleich zu den Artikeln seit Therapiebeginn.

Ich versuche stets, auch Fotos und einen witzigen Ton im Artikel zu berücksichtigen und natürlich sind alle Namen erfunden, es sei denn, ich habe die ausdrückliche Genehmigung für die Namensnennung. 

Einige Patienten haben mich gebeten, mir ihre Geschichte erzählen zu dürfen. Sie möchten sie veröffentlicht sehen, weil sie denken, damit anderen Süchtigen helfen zu können. Selbstverständlich sind ihre Namen, Alter, Wohnort usw. willkürlich gewählt.

Ich bin etwas überrascht, wie sich suchtbericht.de verändert hat, eigentlich sollte es nur ein kurzer Blog über mich persönlich werden, mittlerweile findet er doch ziemliche Beachtung und informiert auch über andere Süchtige. Manche Entwicklungen kann man eben nicht vorhersehen. Täglich hat der Blog ca. 400 Single User Visits, also Besucher. Ich hoffe, er gibt manchem die eine oder andere Anregung, mit Sucht umzugehen.

Wenn ich mit diesem Blog erreiche, dass auch nur ein Süchtiger in eine stationäre Therapie geht, dann hat sich alle Mühe gelohnt.

Kai Sender, 21. Juli 2011

Autor: Kai Sender

Ich bin spielsüchtig und alkoholsüchtig. Trocken bin ich seit 22 Jahren, spielfrei seit sechs Jahren. 2011 habe ich eine stationäre Therapie in der Fachklinik St. Marienstift - Dammer Berge GmbH - 49434 Neuenkirchen gemacht. Hier schreibe ich über meine Spielsucht und Alkoholsucht, meine Therapie und meine Gefühle und über das, was ich über mich und meine Sucht lerne. Du findest mich auch auf Google Plus, Facebook und Twitter. Außerdem kannst Du mir gerne mailen.

4 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Sender,
    Sie sind mir ja einer! So frei erzählt und ohne Hemmungen: habe ich noch nie im Internet erlebt, kann ich nur sagen, dass ich das erstaunlich finde. Werde Ihre Berichte auf jeden Fall weiterlesen. Hoffe alles geht gut und kriegen das hin!

  2. lieber kai ,
    ich habe deine Berichte hier gelesen und habe großen Respekt vor deiner Offenheit. sie ist das einzige oder besser gesagt der erste wichtige schritt um spielfrei zu werden.

    ich spiele seit fast 30 Jahren alles Mögliche vom Automaten, Poker, Casino und Online Casinos. Anfang Juni bin ich dann zum ersten mal in eine Selbsthilfegruppe gegangen doch durch das lange spielen habe ich über die Jahre ein Doppelleben geführt und mich selbst und meine Umwelt so belogen das mich dies in starke Depressionen geführt hatte. am 20 Juli dieses Jahres kam es dann zum Showdown – ich versuchte mir das Leben zunehmen in dem ich mir die Pulsader aufschnitt, Gott sei dank (so sehe ich es heute ) fand man mich bewusstlos auf und rette mich in letzter Minute.
    nach einem kurzem Krankenhausaufenthalt wurde ich dann in ein psychiatrisches Krankenhaus verlegt wo ich dann 9 Wochen verbrachte.

    seit einer Woche bin ich aus dem Krankenhaus entlassen worden und es geht mir einigermaßen gut.

    schon in der Psychiatrie besuchte ich parallel die Selbsthilfegruppe wieder welche mir sehr hilft und ich habe mit den dortigen Psychologen eine stationäre Therapie beantragt. nach den suizidversuch kam dann alles raus die ganze Familie , Freunde und die Firma wo ich arbeite wussten Bescheid. das war schwer aber befreiend zugleich für mich. ich konnte schon 3 wochen nach meinem suizidversuch offen darüber reden und es tut mir gut.

    ich habe sogar ein Interview in der suchthilfe der zeitung welt am sonntag gegeben. ich will dich nicht mit meiner Geschichte langweilen aber ich wollte sagen wie wichtig Offenheit und Ehrlichkeit sind.

    ich habe eine starke frau an meiner Seite und auch alle anderen aus meinem Umfeld stehen zu mir und helfen wo sie nur können . dafür bin ich unendlich dankbar und ich gebe mein bestes sie nie wieder zu enttäuschen.

    ich hoffe das bald die kostenzusage der Rentenversicherung kommt und das ich bald die stationäre Therapie anfangen kann.
    ach ja seit dem 20 juli bin spielfrei und ich WILL es auch bleiben.

    danke nochmal für deine Berichte die mich darin bestätigen immer offen und ehrlich mit meinen Mitmenschen und auch mir selbst umzugehen.

    Liebe Grüße,
    Jens

    p.s. das interwiew findest du unter „game over für die spielsucht “ welt am sonntag.

  3. Pingback: Jetzt erst recht: Weitermachen! | Suchtbericht

  4. Servus Kai,
    1A Klasse , Deine ehrliche Reportage , möchte Dir / Euch einige Feedbacks zugestehen, oute mich hier als mehrfachsüchtig , kann Euch die Süchte benennen, welche ich nicht habe ,ansonsten bin ich hauptsächlich Alkohol-, Spiel- und Internetsüchtig, habe Straftaten begangen , durch meine Krankheit meinen sicheren Arbeitsplatz verloren ( 16,5 Jahre öffentl. Dienst … ) , wurde zu 2 Jahren Bewährung am LG München verurteilt und befinde mich seit 10.01.2012 auf dem Wege ,welchen ich jetzt eeeeeeendlich gehen darf .
    Seit o.g. Datum suchtfrei , trocken und befinde mich auf den Strassen der Nüchternheit ,also trocken und nüchtern !!!
    Alles weg , meine wichtigsten Stützen habe ich noch ( Klasse Frau + megatolle Tochter ) und bin dankbar für den wuchtigen Aufschlag .
    So langsam habe ich begriffen , wie sehr ich Alle beschissen , betrogen , belogen habe , Menschen + Einrichtungen wurden meinerseits manipuliert , ich durfte in den letzten Monaten Hochgratklinik sowie Spielsuchtklinik Sulzberg ( Kempten , 16 Wochen ) nicht nur aufsuchen , sondern echte Therapie erleben , ich bin immer noch ergriffen, bewegt und dankbar , selbst meine Missbrauchsgeschichte , die ich mit 12 Jahren in meiner Kindheit erfahren musste , ist auch durch professionelle Hilfe lösbar und ich muss mich nicht mehr wegbeamen , Mann der ganze sinnlose Stress ist jetzt zwar nicht vorbei, aber ich kann meine Gefühle , meinen Kummer, Stress und Schmerz & Trauer ( Freude ) aushalten, und mein Grössenwahn hat endlich ein Ende, leite seit einigen Monaten eine Spielsuchtgruppe ( bei Bedarf meine Kontaktdaten ) .
    Ich möchte nicht ueber alles Hurra schreien , nein es ist nicht vorbei, es ist Nie vorbei, Krankheit und Sucht bleibt , eben anders, besser .Ich wusste die letzten 25 Jahre nicht ,dass ich Buecher lesen kann, dass man Briefe überhaubt noch schreiben kann, selbst das Nichtstun kann manchmal schön sein , endlich kann ich meiner Tochter , meiner Frau wieder ins Gesicht schauen , ich bin auch wieder etwas stolz auf mich , auch wenn es finanziell jetzt ein Desaster ist, aber auch ein Neuanfang !! Ich konnte vorher auch nie glauben ,dass ein Weg der Bescheidenheit und der Demut gut für mich sein kann , Wissen ist nicht Alles, der Glaube ist jetzt höher einzuschätzen .
    Ich bin 46 Jahre jung, Mehrfachsüchtig und auf dem Wege

    Jens K.

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