Glücksspielsucht, Spielsucht, Therapie - mein persönlicher Blog über meine Glücksspielsucht und meinen Umgang mit ihr. Über meine stationäre Therapie, die Hilfe meiner Frau, meine Selbsthilfegruppe für Glücksspielsucht und mein neues Leben!

Durchgangsgefühle, stete Tropfen und geheimes Chaos oder Tipps für Fortgeschrittene

| Keine Kommentare

Damit ein Lehrgang kein Leergang wird, musst Du schon mitarbeiten. Das gilt auch in der Glüksspielsucht.

Damit ein Lehrgang kein Leergang wird, musst Du schon mitarbeiten. Das gilt auch in der Glüksspielsucht.

Ein herausragender Mensch macht gerade eine Weiterbildung im Trauerbereich. Er lernt dort einige Thesen kennen, die ich ohne große Veränderungen auf meine Gruppenarbeit übertragen kann.

Wir dürfen als Gruppenmitglieder keine Angst vor großen Gefühlen oder dem Gefühl von Leere und Depressivität haben – sondern müssen die Erfahrung machen, dass diese Gefühle zum Leben gehören und Durchgangsgefühle sind.

Es sind alle Emotionen erlaubt und wichtig: Auch Rückzug, Suizidalität, zorniges Anklagen, Schuldgefühle.

Um die eigene Selbstwahrnehmung zu fördern, gibt es einige Hilfsmittel. Man kann sich in einem Bild/Foto/Grafik spiegeln: Suche Dir ein Bild aus einer Kartei, das Deiner gegenwärtigen Stimmung am besten entspricht und stelle es der Gruppe vor.

In meiner Selbsthilfegruppe GGG – Gemeinsam gegen Glücksspielsucht e.V. starten wir zu Beginn und zum Ende jeweils eine „Befindlichkeitsrunde.“

  • Was belastet mich im Moment?
  • Welche Gedanken gehen in mir vor?
  • Welche Gefühle begleiten mich gerade?
  • Was spüre ich in meinem Körper?
  • Was würde ich jetzt am ehesten tun?
  • Finde ich einen Begriff für meine derzeitige Gefühlslage?

Meist ist es so, dass in der Eröffnungsrunde auf die Gefühle selten eingegangen wird. Der Weg zu den eigenen Emotionen ist oft weit und beschwerlich. Wer weiß das besser als ich? Ich sage daher in jeder Anfangsrunde der Gruppenstunde, wie ich mich fühle, um ein Beispiel zu geben.

Manchmal sagt ein Gruppenmitglied, dass alles okay ist und es sich gut fühlt. Im Laufe des Abends sprechen wir darüber und erfahren von einem völligen Chaos, von traurigen Zuständen – und erst dann wird dem Mitglied bewusst, in welcher Situation es sich eigentlich befindet.

Als ob erst dann die Tür zur Gefühlswelt, das Tor zur realen Situation geöffnet wird. Leider habe ich oft den Eindruck, dass unmittelbar nach der Gruppenstunde dieses Tor wieder geschlossen wird. Doch ich gebe nicht auf: Steter Tropfen höhlt den und so weiter …

Und wie geht es mir persönlich?

Gestern war ein sehr erfolgreicher Tag für mich, auf allen Ebenen, nicht nur beruflich. Ich habe eine große Dankbarkeit gefühlt und merkte irgendwann, dass ich „heulig“ bin, nah am Wasser gebaut. Das ist für mich sehr anstrengend.

Als meine Frau abends nach Hause kam und wir gesprochen haben, erzählte ich es ihr. Mir kamen die Tränen – und es war in Ordnung. Die Erde hat sich nicht aufgetan, es gab kein Erdbeben und ich bin nicht gestorben!

Ich war ehrlich und wahrhaftig – das ist der einzige Weg für mich als Süchtiger, abstinent zu bleiben!

Deshalb nur so: Weitermachen!

PS: Ich wünsche S. viel Erfolg in der stationären Therapie!

Autor: Kai Sender

Ich bin spielsüchtig und alkoholsüchtig. Trocken bin ich seit 22 Jahren, spielfrei seit sechs Jahren. 2011 habe ich eine stationäre Therapie in der Fachklinik St. Marienstift - Dammer Berge GmbH - 49434 Neuenkirchen gemacht. Hier schreibe ich über meine Spielsucht und Alkoholsucht, meine Therapie und meine Gefühle und über das, was ich über mich und meine Sucht lerne. Du findest mich auch auf Google Plus, Facebook und Twitter. Außerdem kannst Du mir gerne mailen.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.