Glücksspielsucht, Spielsucht, Therapie - mein persönlicher Blog über meine Glücksspielsucht und meinen Umgang mit ihr. Über meine stationäre Therapie, die Hilfe meiner Frau, meine Selbsthilfegruppe für Glücksspielsucht und mein neues Leben!

Darf ich Euch ein Märchen erzählen?

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Man sollte nicht jeder Software trauen. Foto: SeanPrior/clipdealer.com

Man sollte nicht jeder Software trauen.
Foto: SeanPrior/clipdealer.com

Es war einmal ein ziemlich intelligenter Fürst, der handelte mit Billardtischen. Eines Tages kaufte er einem Händler dessen Geldspielautomaten ab. Und die Importrechte sicherte er sich auch noch.

Diese Geräte gefielen dem Klugen sehr. Er baute selbst einige davon. Die waren gut.

Die Firma des Fürsten war erfolgreich, sehr erfolgreich. Und wurde immer größer. Bald verkaufte der Mann nicht nur in seinem Land, sondern international.

Er wurde reich. Also ich meine, nicht nur sehr wohlhabend, sondern wirklich reich. Richtig tüchtig reich. Er wurde sogar einer der reichsten Menschen der Welt.

Weil seine Geldspielautomaten jedes neue Gesetz zum Schutz der Spielsüchtigen geschickt umgingen. Man konnte jetzt nicht nur Geld gewinnen, sondern auch Punkte. Und die konnte man sich dann später auszahlen lassen. Und dann gab es irgendwann Punkte von den Punkten von dem Geld. Oder so. Alles nicht so leicht zu durchschauen. Aber sehr clever gemacht.

Der kluge Fürst lebte gut von den Süchtigen. Fast ausschließlich Süchtige spielten an seinen Automaten.

Die Spiele wurden immer schneller. Der kluge Fürst wusste nämlich, dass die Zeitintervalle in der Glücksspielsucht wichtig sind. Damit die Suchtis bei der Stange bleiben.

Um noch mehr Geld zu verdienen, betrat der Mann das gigantisch große Universum der Korruption. Behörden sind schließlich auch nur Menschen. Deshalb lief alles wie geschmiert. Minister, Staatsekretäre – na eben alle wichtigen Entscheider freuten sich über die eine oder andere Handreichung.

Irgendwann eroberte der Mann die Hälfte des Daddelmarktes des Nebenlandes. Und den Besitzern vieler anderer Spielhallen dort verkaufte er seine Automaten.

Die Besitzer waren erst froh über diese tollen Automaten. Sie hatten eine prima Software. Später wurden die Besitzer der schönen Spielhallen allerdings misstrauisch und traurig. Sie glaubten nämlich, dass der Fürst sie mit Automaten belieferte, deren Software darauf angelegt war, übermäßig viel Geld auszuzahlen.

Das wäre schlimm, denn ein armer Spielhallenbesitzer – also, ehrlich, das wäre wirklich peinlich!

Die Behörde, die für die Spielautomaten zuständig war, wusste von den Fehlern in der Software. Einer dieser schönen Automaten spuckte ca. 1.000 Euro im Monat zu viel aus. Das half zwar den Süchtigen nicht, denn die steckten das Geld sowieso wieder in das Gerät. Aber es ärgerte die Spielhallenbesitzer.

Das Ministerium sagte dem Hersteller, er solle „den Markt bereinigen.“ Also die Software umschreiben. Der tat das auch. Das Ministerium mochte den Hersteller. Schließlich war ein ehemaliger Minister sogar im Aufsichtsrat der Firma des Herstellers.

Die Spielhallenbetreiber des Nebenlandes blieben aber bei ihrem Verdacht. Es ärgerte die Daddelbranche so sehr, dass sie gegen den klugen Fürsten klagte.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann verklagen sie sich weiterhin gegenseitig, weil sie noch mehr Geld verdienen wollen an den Süchtigen.

Als Märchenonkel grüßend: Weitermachen!

PS: Manche Märchen enden gut. Dieses nicht.

Autor: Kai Sender

Ich bin spielsüchtig und alkoholsüchtig. Trocken bin ich seit 22 Jahren, spielfrei seit sechs Jahren. 2011 habe ich eine stationäre Therapie in der Fachklinik St. Marienstift - Dammer Berge GmbH - 49434 Neuenkirchen gemacht. Hier schreibe ich über meine Spielsucht und Alkoholsucht, meine Therapie und meine Gefühle und über das, was ich über mich und meine Sucht lerne. Du findest mich auch auf Google Plus, Facebook und Twitter. Außerdem kannst Du mir gerne mailen.

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