Glücksspielsucht, Spielsucht, Therapie - mein persönlicher Blog über meine Glücksspielsucht und meinen Umgang mit ihr. Über meine stationäre Therapie, die Hilfe meiner Frau, meine Selbsthilfegruppe für Glücksspielsucht und mein neues Leben!

Pornosucht und Internet

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Pornosucht

Die Pornosucht wird zunehmen.

Dass die Glücksspielsucht eine Sucht ist, nur ohne einen Stoff, also stoffungebunden, hat mittlerweile der eine oder andere Mitbürger begriffen. Trotz allem gilt es für mich, dieses Thema immer mehr in die gesellschaftliche Diskussion zu bringen, weil ich hoffe, dass sich dann mehr Menschen trauen, sich mit ihrer Spielsucht zu outen.

Noch schwieriger, sich zu seiner Sucht zu bekennen, dürften es die Menschen haben, die unter Pornosucht leiden. Diese Erfahrung habe ich in einem Gespräch mit einem Anrufer in der letzten Woche gemacht. Er berichtete mir von seiner Sexsucht, die eine Pornosucht ist, denn er verbringt Stunde um Stunde vor dem PC im Internet und sieht sich online Pornos an. Einen Tag ohne Verbindung zum Internet wäre für ihn die Hölle.

Was ist denn Pornosucht?

Es ist das zwanghafte, nicht mehr zu kontrollierende Konsumieren von pornografischen Fotos oder Videos. Der Pornosüchtige will das eigentlich nicht, doch ist der innere Zwang zu groß, dem zu widerstehen. Es ist eine Form der Verhaltensabhängigkeit. Die Suche nach dem immer stärkeren Kick, nach dem Adrenalinausstoß, nach den Belohnungsstoffen wie Dopamin, die das Hirn ausschüttet. Es muss im Laufe der Zeit immer mehr werden, immer öfter – und gerade bei Pornosucht auch immer mehr Hard-Core.

Gerade in Verbindung mit dem Internet führt die Pornosucht zu denselben Symptomen, die auch andere Süchte aufweisen: Selbsthass, Rückzug aus sozialen Beziehungen, Scham, Depressionen – sucht Euch was aus!

Besonders schlimme Auswirkungen kann die Pornosucht für die Beziehung haben, die der Süchtige führt. Seine Ehe, seine Lebenspartnerschaft oder Freundschaft sind hochgradig gefährdet. Denn wie bei einer anderen Sucht auch, ist die Pornosucht gekennzeichnet durch den Zwang zu konsumieren, durch die Erhöhung der Dosis, um dieselbe Wirkung zu erzielen, durch den Kontrollverlust – der Pornosüchtige kann den Beginn, die Menge und die Beendigung der Suchttätigkeit nicht mehr kontrollieren – und als Ergebnis steht der Rückzug aus Beziehungen an. Das gilt nicht nur für die sozialen Bindungen am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft oder im Freundeskreis – das gilt auch und besonders für die Partnerschaft.

Die Nutzung des Internets wird immer selbstverständlicher in unserer Gesellschaft, eine junge Generation, die schon mit dem Netz aufgewachsen ist, kommt nach. Daher wird die Pornosucht sicherlich öfter auftreten als früher. Und die Glücksspielsucht wird zukünftig wesentlich weniger von Spielhallenbesuchern bestimmt, dafür mehr von Onlinezockern.

Wie dem auch sei: Meine Selbsthilfegruppe wird weiterhin genug zu tun haben! Das zeigt sich jetzt schon!

Autor: Kai Sender

Ich bin spielsüchtig und alkoholsüchtig. Trocken bin ich seit 22 Jahren, spielfrei seit sechs Jahren. 2011 habe ich eine stationäre Therapie in der Fachklinik St. Marienstift - Dammer Berge GmbH - 49434 Neuenkirchen gemacht. Hier schreibe ich über meine Spielsucht und Alkoholsucht, meine Therapie und meine Gefühle und über das, was ich über mich und meine Sucht lerne. Du findest mich auch auf Google Plus, Facebook und Twitter. Außerdem kannst Du mir gerne mailen.

2 Kommentare

  1. Der Deutsche Suchtkongress schätzt, dass in Deutschland etwa 1% aller Internetnutzer pornosüchtig sind. Das wären dann bereits 400.000 Menschen. Aus unseren eigenen Zahlen schätzen wir, dass davon etwa ein Viertel Frauen und drei Viertel Männer sind.

  2. Im Internet zählen Pornos zu den Anwendungen, die ein besonders hohes Suchtpotenzial haben. Schon bevor das Internet erfunden wurde, wurden pornographische Erzeugnisse konsumiert, was auch zu suchtartigen Verhaltensmustern führte. Durch das Internet hat die Verbreitung und die Verfügbarkeit von Pornografie ganz erheblich zugenommen – und damit auch die problematischen Konsummuster. 12% aller Internetseiten haben pornografische Inhalte und auf diese wird monatlich milliardenfach zugegriffen. Das suchtartige Verhalten wird dadurch unterstützt, dass die durch das Internet angebotenen pornographischen Inhalte ständig verfügbar sind. Schamschwellen, die beim Besuchen von Sex-Shops oder Videotheken überwunden werden müssen, gibt es im Internet nicht mehr. Zu jeder Zeit kann anonym jeder beliebige pornografische Inhalt von zuhause aus abgerufen werden – oft ohne weiteren finanziellen Aufwand. Der Benutzer kann auf diese Weise mit nur ein paar Mausklicks seine sexuellen Phantasien mit Bildern bedienen. Eine Verlockung, der auch Studierende oft nicht widerstehen können. Dieser Anwendungsbereich des Internet wird öffentlich eher tabuisiert. (Schumann, 2009, S. 4) Weitere Informationen zum Thema Internetsucht und dem Unterthema Pornosucht bzw. Onlinesexsucht gibt es auf http://www.internetsucht-hilfe-berlin.de/onlinesexsucht-und-pornosucht/

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