Glücksspielsucht, Spielsucht, Therapie - mein persönlicher Blog über meine Glücksspielsucht und meinen Umgang mit ihr. Über meine stationäre Therapie, die Hilfe meiner Frau, meine Selbsthilfegruppe für Glücksspielsucht und mein neues Leben!

Rückfall, Alkohol, Kurzschock oder das Märchen von der Weinbrandbohne

| Keine Kommentare

Jeder Alkoholiker, der sich in Therapie befindet oder regelmäßig seine Selbsthilfegruppe besucht, hat mit ziemlicher Sicherheit schon einmal die Geschichte von der berühmten Weinbrandbohne gehört, die einen Rückfall eingeleitet hat.

Bislang habe ich von Rückfällen – jedenfalls, was Alkohol betrifft – eher Berichte vernommen, die dabei von einer längeren Phase handelten. Erst waren es nur ein Bier und der Gedanke, dass es so schlimm ja nicht sein könnte, wenn man dieses eine kleine Bier trinken würde, in der Folge wurde eine Woche später aus dem einen Bier schon ein längerer angeblich geselliger Abend und irgendwann – krachte es und der Alkoholiker war wieder richtig tief im Saufsumpf verschwunden. Ich selbst bin ja nun seit fast 18 Jahren trocken, aber ich hatte natürlich (ich sage hier ganz bewusst „natürlich“) auch mehrere Rückfälle. Lang ist’s her. Kai sei Dank!

Es gab damals, 1989 war es wohl, eine Art Kurztherapie in Hörstel, so scheint es heute auch noch zu sein. Sechs Wochen Therapie im Schnelldurchlauf. Für mich war es nicht das Richtige, es war vergeudete Zeit, denn ich wollte überhaupt nicht trocken bleiben – aber das wusste ich damals noch nicht.

Ich habe mich in der Zeit überhaupt nicht geöffnet, habe meine Einstellung nicht hinterfragt und was war das Ergebnis? An einem Sonnabendvormittag wurde ich entlassen, nach sechs Wochen Aufenthalt, und am selben Tag, wenige Stunden später, war ich schon wieder betrunken. Ein Rückfall kann ziemlich schnell gehen, das ist mir also gegenwärtig.

Aber vor kurzem erzählte mir ein Alkoholiker von seinem letzten Rückfall – und jetzt haltet Euch fest: Er nahm nach mehreren Jahren Trockenheit aus Versehen eine Weinbrandbohne in den Mund, zerkaute sie, merkte, dass Weinbrand enthalten war und spuckte sie aus.

Eine Stunde später war er in einer Tankstelle und kaufte sich zwei große Flaschen Wodka.

Wieder Zuhause angekommen, trank er – jetzt bitte langsam lesen! – die beiden Flaschen hintereinander aus. In den vielen Monaten darauf folgten Zeiten, die mit den Worten künstliches Koma, OP, Krankenhaus, Verzweiflung, Scheidung zu tun haben.

Es begann mit einer Weinbrandbohne.

Wenn Ihr jetzt geschockt seid, geht es Euch wie mir. Und das wollte ich erreichen.

Mein Laserschwert wieder einpackend: Weitermachen!

Autor: Kai Sender

Ich bin spielsüchtig und alkoholsüchtig. Trocken bin ich seit 22 Jahren, spielfrei seit sechs Jahren. 2011 habe ich eine stationäre Therapie in der Fachklinik St. Marienstift - Dammer Berge GmbH - 49434 Neuenkirchen gemacht. Hier schreibe ich über meine Spielsucht und Alkoholsucht, meine Therapie und meine Gefühle und über das, was ich über mich und meine Sucht lerne. Du findest mich auch auf Google Plus, Facebook und Twitter. Außerdem kannst Du mir gerne mailen.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.