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Die Fahrkarte zur Suchtklinik verzockt

Dies ist der Brief, den mein Mitpatient Udo an seine Stiefeltern geschrieben hat. Er wird ihn heute abschicken. Ich habe natürlich die Namen und Orte geändert.

Hallo Ihr Lieben,

seit wir uns das letzte Mal in Köln gesehen haben, ist viel Zeit verstrichen und ich glaubte an ein Wiedersehen im gleichen Jahr, nach dem letzten Wochenende glaubte und hoffte ich sogar, ich brauche nicht mehr Spielen zu gehen, aber nach kurzer Zeit ging ich wieder los und fand wie vorher auch kein Ende.

Nachdem ich mein letztes Selbstwertgefühl weggeschmissen und mich wochenlang nur selbst bemitleidet habe und wenig bis sogar gar nichts gegessen hatte, ging ich wieder zu meinem Suchtberater zurück und versuchte ihm zu schildern, wie es mir ging, denn der Herr Bayer wusste ja, dass ich Euch im letzten Jahr im Mai besuchen kommen wollte, was auch geschah.

Selbst nachdem der erste Entschluss fiel, vielleicht eine stationäre Therapie zu machen, ging der Weg weiter in die Hölle und aus Trotz, schlechtem Gewissen und vielen schlechten Gründen mehr konnte ich mich nicht melden bei Euch…ich habe es einfach nicht geschafft.

Nachdem ich wieder mal viel Zeit verstreichen ließ, kam der endgültige Entschluss, eine Therapie zu beantragen und auch zu machen, bis zum Reisetag im April jetzt gab’s verschiedene Ideen, um ins Marienstift Dammer Berge zu kommen, ich redete mir ein, ich bräuchte neue Schuhe oder so, im Endeffekt sprach ich sogar mit der BAGIS und fragte nach Vorschuss, und nach kurzer Zeit bekam ich auch den Vorschuss für Schuhe und auch die Fahrkarte, aber anstatt mir Schuhe zu kaufen,schmiss ich das Geld lieber in die Automaten. Als alles Geld wieder weg war, musste ich die nächsten Stellen abgrasen, denn Klamotten und Fahrkarte fehlte mir ja immer noch.

Zum Reisetag hatte ich mir die Fahrkarte besorgen können und so kam ich in die Fachklinik St. Marienstift Dammer Berge in Neuenkirchen-Vörden, um hier, mit Hilfe von Therapeuten und auch mit anderen Patienten mich neu zu entwickeln und spielfrei zu werden und es auch hoffentlich zu bleiben.

Ich behaupte, ich habe mit Hilfen aus der Klinik gute Arbeit geleistet und den ersten Schritt gut geschafft, nur kann ich diese lange und anstrengende Therapiezeit schlecht akzeptieren, ich sehe mich oft als einen schlechten Menschen und denke oft an viele Rückschläge.

Einige neue Freunde versuchen gerade, mich vom Gegenteil zu überzeugen und vielleicht fange ich mal an, positiv zu sehen, denn ich befinde mich auf der Zielgeraden und in der kommenden Woche endet hier meine Zeit und ich fahre dann nach Köln zurück, wo ich dann den zweiten Schritt meiner Genesung beginne, denn ich habe meine alte Wohnung ja gekündigt. Dieser Schritt fiel mir relativ schwer, aber nach mehreren Überlegungen war das einfach nur gut, denn in dieser Wohnung lebte ich ohne Möbel ein Jahr und die restlichen Renovierungsarbeiten wurden auch nicht gemacht, hinzu kommt noch, dass ich diese Wohnung schon längst verloren hätte, ich konnte sie ja nur behalten, weil die BAGIS meine Miete und die Mietrückstände direkt dem Vermieter überwiesen hat.

Ich gehe in eine Adaption in Köln, das ist eine Art betreutes Wohnen, und ich glaube, dieser Schritt ist gut, denn was ich weiß, ist folgendes: ich befinde mich in Behandlung wegen meiner Spielsucht und habe es geschafft, nicht zocken zu gehen, es gab viele Tage, wo ich spielen wollte, aber ich bin trotzdem nicht gegangen.

Weiterhin weiß ich, es gibt in meiner Zukunft viele Tage und Monate, die ich am liebsten mit Spielen verbringen möchte, dann fällt mir hoffentlich ein Grund ein, dem Spieldruck nicht nachzugeben. Und deswegen benötige ich eine Adaption, um einen größeren Abstand zu den Spielgeräten zu erreiche.

Auch wenn mir viele Leute Mut zusprechen, dass ich meinen Weg neu gehen kann, weiß ich nicht, was passieren wird.

Ich habe eine Ewigkeit noch zu lernen…

Alles Gute,

Euer Udo


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