Glücksspielsucht, Spielsucht, Therapie - mein persönlicher Blog über meine Glücksspielsucht und meinen Umgang mit ihr. Über meine stationäre Therapie, die Hilfe meiner Frau, meine Selbsthilfegruppe für Glücksspielsucht und mein neues Leben!

Im Zeichen der Sonne: Versteckspiel und gute Wünsche

28. Oktober 2013 von Kai Sender | Keine Kommentare

spielhalle-sonne

Nervig, laut, mit hektischem Bildschnitt und leeren Versprechungen: So kennen wir Fernseh- und Radiowerbung. Zur jedenfalls unpassenden Zeit wird ohne Rücksicht auf das laufende Programm eben dieses unterbrochen. Und dann sehen wir sprechende Klodeckel, munter drauflos plappernde Bazillen, verfolgen hippe Sportschuh-Youngster und teilen das schlechte Gewissen einer deutschen Hausfrau, die das Feudeln des Küchenbodens wieder einmal nicht richtig hingekriegt hat.

Seit ein paar Monaten allerdings hat sich die Fernsehwerbelandschaft verändert. Und zwar zum Schlechten. Gelegentlich erscheint zwischen guten Filmen (selten) oder typischem Fernsehschrott (oft)(ehrlich, sehr oft) eine Sonne, die langsam durch das Bild zieht und dann untergeht. Begleitet wird dieser Sonnenuntergang von der frohen Botschaft. Allerdings nicht der des Herrn. Sondern es heißt da, man wünsche dem Zuschauer einen glücklichen Abend und eine gute Nacht.

An und für sich ist das ja eine lobende Geste. Nette Menschen wünschen einem gerne mal einen schönen Abend. Oder guten Morgen. Leider ist diese Sonne jedoch die des Merkur-Imperiums. Sie findet sich im Logo des Spielhallenbetreibers wieder. Nennt mir einen Glücksspielsüchtigen, der diese Sonne nicht kennt. Dem diese Sonne keinen Appetit aufs Zocken macht. Die ihn quasi sabbern lässt.

Ich habe in den letzten Wochen und Monaten viel mit Süchtigen gesprochen, die sich sehr über diese Art der Werbung ärgern. Immerhin ist Werbung für öffentliches Glücksspiel im Fernsehen (§ 7 des Rundfunkstaatsvertrages), im Internet sowie über Telekommunikationsanlagen verboten. Und dann gibt es reichlich Glücksspielsüchtige, die durch diese Werbung angetriggert werden. Was mich dabei fasziniert: Fast nur Süchtigen ist diese Sonne im Fernsehen bisher aufgefallen. Frag einen Gesunden: Der weiß meistens nicht, dass diese Sonne erscheint. Er übersieht diese Werbung einfach.

Was mich zu einer Frage führt: Warum erscheint diese Werbung überhaupt? Welchen Zweck hat sie, wenn sie doch nur von einem verschwindend geringen Teil der Zuschauer wahrgenommen wird?

Möglicherweise – und ich will das hier zur Diskussion stellen und nicht etwa fest behaupten, sonst erhalte ich wieder Anwaltspost von Größen der Glücksspielbranche – lohnt es sich einfach wirtschaftlich, diesen geringen Teil der Zuschauer zu locken.

Glücksspielsüchtige haben keine Kontrolle über das Spiel. Nicht sie kontrollieren das Spiel, sondern das Spiel kontrolliert sie. Ob am Pokertisch, im staatlichen Spielcasino oder in der Spielhalle – wenn sie dort sitzen und zocken, dann geht ihr ganzes Geld flöten. Über kurz oder lang. Und das scheint sich für manche Anbieter zu rechnen.

Warum ich das überhaupt erwähne? Weil es mich ärgert, dass mit Süchtigen Geld gemacht wird. Weil es mich ärgert, dass es Firmen gibt, die zu einem Großteil von Süchtigen leben. Und die sich einen Trick nach dem anderen ausdenken, doch noch Werbung zu ermöglichen.

Sauer: Weitermachen!

 

Darf ich Euch ein Märchen erzählen?

21. Oktober 2013 von Kai Sender | Keine Kommentare

Man sollte nicht jeder Software trauen. Foto: SeanPrior/clipdealer.com

Man sollte nicht jeder Software trauen.
Foto: SeanPrior/clipdealer.com

Es war einmal ein ziemlich intelligenter Fürst, der handelte mit Billardtischen. Eines Tages kaufte er einem Händler dessen Geldspielautomaten ab. Und die Importrechte sicherte er sich auch noch.

Diese Geräte gefielen dem Klugen sehr. Er baute selbst einige davon. Die waren gut.

Die Firma des Fürsten war erfolgreich, sehr erfolgreich. Und wurde immer größer. Bald verkaufte der Mann nicht nur in seinem Land, sondern international.

Er wurde reich. Also ich meine, nicht nur sehr wohlhabend, sondern wirklich reich. Richtig tüchtig reich. Er wurde sogar einer der reichsten Menschen der Welt.

Weil seine Geldspielautomaten jedes neue Gesetz zum Schutz der Spielsüchtigen geschickt umgingen. Man konnte jetzt nicht nur Geld gewinnen, sondern auch Punkte. Und die konnte man sich dann später auszahlen lassen. Und dann gab es irgendwann Punkte von den Punkten von dem Geld. Oder so. Alles nicht so leicht zu durchschauen. Aber sehr clever gemacht.

Der kluge Fürst lebte gut von den Süchtigen. Fast ausschließlich Süchtige spielten an seinen Automaten.

Die Spiele wurden immer schneller. Der kluge Fürst wusste nämlich, dass die Zeitintervalle in der Glücksspielsucht wichtig sind. Damit die Suchtis bei der Stange bleiben.

Um noch mehr Geld zu verdienen, betrat der Mann das gigantisch große Universum der Korruption. Behörden sind schließlich auch nur Menschen. Deshalb lief alles wie geschmiert. Minister, Staatsekretäre – na eben alle wichtigen Entscheider freuten sich über die eine oder andere Handreichung.

Irgendwann eroberte der Mann die Hälfte des Daddelmarktes des Nebenlandes. Und den Besitzern vieler anderer Spielhallen dort verkaufte er seine Automaten.

Die Besitzer waren erst froh über diese tollen Automaten. Sie hatten eine prima Software. Später wurden die Besitzer der schönen Spielhallen allerdings misstrauisch und traurig. Sie glaubten nämlich, dass der Fürst sie mit Automaten belieferte, deren Software darauf angelegt war, übermäßig viel Geld auszuzahlen.

Das wäre schlimm, denn ein armer Spielhallenbesitzer – also, ehrlich, das wäre wirklich peinlich!

Die Behörde, die für die Spielautomaten zuständig war, wusste von den Fehlern in der Software. Einer dieser schönen Automaten spuckte ca. 1.000 Euro im Monat zu viel aus. Das half zwar den Süchtigen nicht, denn die steckten das Geld sowieso wieder in das Gerät. Aber es ärgerte die Spielhallenbesitzer.

Das Ministerium sagte dem Hersteller, er solle „den Markt bereinigen.“ Also die Software umschreiben. Der tat das auch. Das Ministerium mochte den Hersteller. Schließlich war ein ehemaliger Minister sogar im Aufsichtsrat der Firma des Herstellers.

Die Spielhallenbetreiber des Nebenlandes blieben aber bei ihrem Verdacht. Es ärgerte die Daddelbranche so sehr, dass sie gegen den klugen Fürsten klagte.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann verklagen sie sich weiterhin gegenseitig, weil sie noch mehr Geld verdienen wollen an den Süchtigen.

Als Märchenonkel grüßend: Weitermachen!

PS: Manche Märchen enden gut. Dieses nicht.