Welche Therapieformen bei Glücksspielsucht gibt es?

Dieser Beitrag wurde verfasst von Mo von Glückszone.
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Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Formen der Therapie:

  1. Die ambulante Therapie: Hiermit ist das zeitlich begrenzte Aufsuchen einer Therapieeinrichtung gemeint. Nach der Sitzung verlässt der Betroffene die Einrichtung wieder und kehrt dann an festen Terminen zurück.
  2. Die stationäre Therapie: Bei einer stationären Therapie bezieht der Betroffene, für eine gewisse Zeit, eine Einrichtung. Dort wird der Betroffene rund um die Uhr betreut und bekommt seinen Tagesablauf vorgegeben.

Welche Therapieform gewählt wird, muss jeder für sich selbst entscheiden. Dies hängt jedoch stark davon ab, wie ausgeprägt das Suchtverhalten des Betroffenen ist. Bei einem Erstgespräch bei einer Anlauf- und Beratungsstelle für Glücksspielsucht, wird erörtert, welche Therapieform für den Betroffenen in Frage kommt. Welche Anlauf- und Beratungsstelle für Dich zuständig ist, kannst Du hier in Erfahrung bringen. Ein solches Gespräch ist komplett kostenlos und erfolgt zeitnah.

Bei der ambulanten Therapie gibt es wiederum auch Unterschiede:

  1. Einzelgespräche bei einem Sozialtherapeuten einer karitativen Einrichtung (zum Beispiel Caritas oder Diakonie)
  2. Sitzungen bei einem Psychologen
  3. Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe
  4. Onlinetherapie in Form von Kursen oder Foren
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Welches Therapieangebot gewählt wird, hängt stark von den Neigungen und den Voraussetzungen des Betroffenen ab. Die oben aufgeführten Therapieformen kann man wiederum in zwei Kategorien einteilen – kostenfrei und kostenpflichtig. Zu den kostenfreien Angeboten zählen die Einzelgespräche bei einem Sozialtherapeuten und die Teilnahme an Selbsthilfegruppen. Sitzungen bei Psychologen sind kostenpflichtig. Inwiefern diese Sitzungen von der Krankenkasse übernommen werden, ist einzelfallabhängig. Onlinetherapie in Form von Kursen ist ebenfalls kostenpflichtig, kann gegebenenfalls jedoch auch von der Krankenkasse übernommen werden. Die Teilnahme an Foren ist grundsätzlich kostenlos.

Jede dieser Therapieformen hat ihre Vor- und Nachteile. Bei der Auswahl muss jeder auf seine Vorlieben und auch Möglichkeiten achten, um die für sich richtige Therapie auszuwählen.

Nachfolgend finden Sie eine Auflistung der Vor- und Nachteile der einzelnen Therapieformen, welche individuell ergänzt werden sollte.

Einzelgespräche bei einem Sozialtherapeuten

Vorteile:

  • schnelle Verfügbarkeit
  • kostenlos
  • Vermittlung an eine Selbsthilfegruppe
  • Möglichkeit der Schuldnerberatung

Nachteile:

  • Überbelastung der Sozialtherapeuten
  • Vermeintlich mindere Qualität, da kostenlos

Sitzungen bei einem Psychologen

Vorteile:

  • professionelle Hilfe

Nachteile:

  • sehr lange Wartezeiten
  • kostenpflichtig
  • eventuell keine Vertretung, wenn der Psychologe im Urlaub oder krank ist

Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe

Vorteile:

  • Kontakt mit Gleichgesinnten
  • schnelle Verfügbarkeit
  • kostenlos
  • Lernen aus der Erfahrung von Glücksspielsüchtigen
  • soziales Gefüge
  • therapeutisch begleitet

Nachteile:

  • „Gefahr“ erkannt zu werden
  • Gefühl des öffentlichen Outens

Onlinetherapie in Form von Kursen

Vorteile:

  • Sofort und rund um die Uhr verfügbar
  • Anonymität
  • Transparenz durch Bewertungen
  • mögliche Übernahme der Kosten durch die Krankenkasse
  • wiederholt nutzbar

Nachteile:

  • kein persönlicher Austausch
  • kostenpflichtig

Onlinetherapie in Form von Foren

Vorteile:

  • Sofort und rund um die Uhr verfügbar
  • Anonymität
  • kostenlos
  • Kontakt mit Gleichgesinnten

Nachteile:

  • kein Auge in Auge – Kontakt

Die stationäre Therapie findet in speziellen Suchtkliniken statt. Bevor diese stattfinden kann, muss jedoch zunächst mit der zuständigen Krankenkasse oder dem zuständigen Rentenversicherungsträger geklärt werden, ob die Kosten hierfür übernommen werden. Weiterhin bedarf es hierzu eines ärztlichen Befundberichts durch den Hausarzt und eines Sozialberichts durch die Anlaufstelle. Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist eine stationäre Therapie möglich. Natürlich nimmt dieser Prozess eine gewisse Zeit in Anspruch. Um diese Zeit zu überbrücken, ist es sinnvoll, dass der Betroffene an einer Selbsthilfegruppe teilnimmt oder aber Einzelgespräche mit dem Sozialtherapeuten vereinbart.

Deutlich beschleunigt wird dieser Prozess, wenn bei dem Betroffenen mit der Glücksspielsucht Selbstmordgedanken mit einhergehen. In diesem besonderen Fall ist besondere Eile geboten, und der Betroffene wird zunächst in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Von dort aus wird dieser dann an eine Therapieeinrichtung vermittelt, um eine lückenlose Betreuung zu gewährleisten.

Ziel einer jeden Therapie ist es, dem Betroffenen das richtige Handwerkszeug an die Hand zu geben, um ein Leben in völliger Spielfreiheit führen zu können. Hierzu sollen verschiedene Bewältigungsstrategien erörtert werden, welche dem Betroffenen ermöglichen sollen, seiner Sucht widerstehen zu können. Ist es nicht möglich, dem Betroffenen dieses Handwerkszeug in einer ambulanten Therapie zu vermitteln, wird dieser zur stationären Therapie übergehen. Ein freiwilliges Mitwirken des Betroffenen ist jedoch unumgänglich, da sonst jeglicher Erfolg ausgeschlossen werden kann.

Nach der stationären Therapie greift das weiterführende Helfersystem. Das bedeutet, dass der Betroffene nach der Therapie nicht einfach wieder in sein vorheriges Leben entlassen wird, sondern eine gewisse Nachbetreuung erfolgt. Hierzu wird der Betroffene entweder an eine Selbsthilfegruppe vermittelt, oder durch den Sozialtherapeuten in Einzelgesprächen betreut, wenn dies sein Wunsch sein sollte.

Dieser Beitrag wurde verfasst von Mo von Glückszone.

Mo von Glückszone ist Gründer der Seite https://www.glueckszone.de

Glückszone ist ein Projekt eines Spielsüchtigen, der es geschafft hat spielfrei zu werden und auch zu bleiben. Mit der Glückszone möchte der Gründer anderen Spielsüchtigen dabei helfen, das zu schaffen, was auch er geschafft hat. Tipps und Tricks aus der Praxis, die funktionieren. Alle Maßnahmen, die dazu geführt haben, dass Mo spielfrei geworden und geblieben ist, findest Du in seinem Buch.