»Und siehe, es war alles gut!«

Superhero Schwennen – von Batman und Robin möchte ich hier nichts hören, klar?

Ein Jahr lang habe ich darauf gewartet, nein, ich habe darauf hingearbeitet, als Ehemaliger das 37. Jahrestreffen im St. Marienstift Neuenkirchen / Vörden mitzuerleben. Als ich in meiner Therapie das Treffen als Patient mitgestaltete (in einer sehr verantwortlichen Position als Oberaufseher der „Schokokuss-Weitwurfmaschine“, in etwa vergleichbar mit dem HPP [Head of production-process] großer US-Unternehmen), hatte ich mir so fest vorgenommen, dass ich im kommenden Jahr auch hier sein würde, nach Ende einer hoffentlich erfolgreichen Therapie, trocken und spielfrei und wieder glücklich und – altmodisches aber wahres Wort – lebensfroh.

Und bei Gott: es ist wahr geworden!

Pater Udo und Pastor Möllmann

Es war mir damals zuerst ein wenig peinlich, ich hatte mich auch etwas geschämt. „Die kommen jetzt alle und haben’s schon geschafft und ich bin noch hier und die sehen bestimmt auf mich herab oder belächeln mich oder denken „Armer Kerl“ und ich bin ja auch noch nicht fertig und und und…“

Ich hatte mir in den letzten Monaten immer wieder vorgestellt, wie es wohl sein würde. Wäre ich aufgeregt, bewegt, würde ich weinen? Wie würde die Begegnung mit den Mitpatienten, Therapeuten sein? Würden Sie alle kommen und wir würden „in alten Zeiten“ schwelgen?

Um es vorweg zu sagen: das wichtigste an diesem Tag war für mich, dass Gisela mitkommt. Dass ich zusammen mit meiner Frau, die mich so unfassbar stark und liebevoll unterstützt hat, mir Mut machte, Kraft und Zuversicht verlieh, die alten Wege gehen würde, die Gebäude und vor allem die Menschen sehen könnte, die eine so wichtige Bedeutung in unserem Leben haben und behalten werden.

Der Mensch, den ich dort auf jeden Fall wiedersehen wollte, war selbstverständlich mein Therapeut Horst Schwennen. Der Mann war in meiner Therapie für mich ziemlich anstrengend. Und nervig. Mir gefiel zwar von Anfang an sein fast britischer Humor, aber er weigerte sich standhaft,  mir die Welt zu erklären und glasklare Regeln für jede erdenkbare Lebenssituation zu geben – das hatte ich mir von einer Therapie eigentlich erhofft. In der ersten Zeit meiner Therapie stand ich also ziemlich auf dem Schlauch. Hallo? Jemand zuhause? Was ist denn jetzt? Geht’s bald mal los?

Nach einigen Wochen merkte ich, dass Horst Schwennen mir viel mehr als das geben wollte: meine Autonomie – ich sollte selbst entscheiden. Damit fing ich dann auch an.

Aber ich schweife ab.

Scheckübergabe des Förderkreises an die Leitung der Klinik

Auf der Fahrt zum Marienstift war ich erstaunlicherweise sehr ruhig und nicht aufgeregt, das änderte sich ein wenig mit dem Eintreffen. Gerade am Marienstift angekommen, gingen Gisela und ich einmal um die Klinik, als ich auch schon Horst Schwennen traf. Ich habe die sehr herzliche Begrüßung und eine spezielle Geste genossen, und das anschließende längere Gespräch mit ihm hat mich bewegt und in mir eine sehr große Zufriedenheit ausgelöst, ein sattes Gefühl von „so muss es sein!“ Er gab mir auch eine wichtige Anregung für meine Zukunftsgestaltung. Typisch Schwennen, eben! Wir vereinbarten, uns später noch einmal zusammenzusetzen.

Friedrich kam dazu, der sanfte Riese, und er machte auf mich einen außerordentlich guten Eindruck. Mit ihm verbrachten Gisela und ich viel Zeit, wir gingen gemeinsam herum, erzählten uns viel und sagten uns immer wieder, wie froh wir seien, einander zu sehen. Die Chemie zwischen uns stimmt einfach. Und auch er empfindet eine große Dankbarkeit für die Zeit der Therapie in der Suchtklinik. Er macht einen wirklich guten Eindruck und ich werde mit ihm in Verbindung bleiben, sporadisch zwar, aber einander zugetan.

Mit ihm nahmen wir auch an der offiziellen Eröffnungsveranstaltung teil, die von Prof. Dr. Hinze-Selch geleitet wurde. Gleich zu Anfang entdeckte ich zu meiner großen Freude Pater Udo vom Priorat St. Benedikt in Damme und nach der Veranstaltung konnte ich ihn Gisela vorstellen. Mit Pater Udo ist das so eine Sache. Mein Glauben an Gott ist durch meine religiös geprägte Kindheit und Jugend quasi nicht vorhanden. (Man achte auf das Wort „quasi“ – das ist der Schlüssel zu so manchem in mir drinnen, was meinen Glauben betrifft) Und wenn man sich erst einmal für eine bestimmte Meinung entschieden hat, neigt man ja gerne dazu, nur noch Bestätigendes wahrzunehmen oder gelten zu lassen. Pater Udo macht es mir da sehr schwer, denn er ist ein wirklich phänomenal vorbildlicher Diener seines Gottes mit einer entwaffnenden Freundlichkeit und großen Menschenliebe. Er strahlt all‘ das Positive aus, was man ich von einem Kirchenmenschen erwarte und noch viel mehr. Wenn es mehr Gottesdiener seiner Art gäbe, wären die Kirchen heute noch gefüllt mit Schäfchen.  

Ich habe mich auch eingetragen. Der älteste Eintrag war, glaube ich, aus dem Jahr 1975,

Ich freute mich darüber, dass er regelmäßig meinen Suchtbericht liest und daher im Bilde darüber war, dass ich im November mit Gisela ein paar Tage in einem Kloster verbracht habe, denn er war einer der Auslöser dieser Aktion, die wir so ähnlich auch wiederholen werden.

Die Eröffnungsveranstaltung selbst hat mich etwas enttäuscht. Mir fehlten die Ansprache und das Willkommen heißen der ehemaligen Patienten. Sicherlich gab es auch andere Gäste wie die Vertreter des Förderkreises, in dem ich ja auch Mitglied bin, und darauf muss auch eingegangen werden, doch vermisste ich das Vermitteln eines Gemeinschaftsgefühles. Als ehemaliger Patient gehe ich ja auch zu diesem Treffen, um mich zu zeigen. „Guckt mal alle, ich habe es bis hierher geschafft und ich mache weiter!“

Es gab nur eine kurze Begrüßung, dann wurde das neue Leitungsteam der Klinik vorgestellt. Neben Frau Prof. Dr. Hinze-Selch ist jetzt auch Frau Dr. Isabel Englert leitende Ärztin. Und Ralf Nebe ist leitender Psychologe. Ich hatte ihn in meiner Indikationsgruppe Krankheitsakzeptanz. Anschließend hielten Pater Udo und Pastor Mölmann einen ökumenischen Gottesdienst und Dr. Englert einen Vortrag über eine neues Angebot der Klinik: die Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen und Suchterkrankung in dem Programm Trauma und Sucht.

Nach der Eröffnung spazierten Gisela, Friedrich und ich weiter umher. Zwischendurch begrüßten wir den einen oder anderen Ehemaligen, deren Namen mir zwar nicht immer geläufig waren, deren Gesichter ich aber noch einordnen konnte.

Merkwürdigerweise habe ich mich zurückgehalten. War ich zu aufgeregt?

Aus meiner Gruppe sieben waren nur noch zwei andere Mitpatienten da, David und Ingolf. Ihnen geht es gut, sagen sie. Leider waren die anderen Gruppenmitglieder nicht anwesend. Norbert hätte ich gerne gesehen, doch er hatte keine Zeit, weil er auf Montage war. Ab und an telefoniere ich noch mit ihm, er ist spielfrei, es fällt nicht immer leicht, aber er hält durch.

Wo waren all‘ die anderen? Wie geht es ihnen? Ich habe meine Befürchtungen und weiß auch von dem einen oder anderen, der seine Spielfreiheit nicht bewahren konnte. Das ist schade. Aber leider gehört das zu unserer Krankheit. Wir haben eben keinen einfachen Schnupfen, sondern eine existenzbedrohende Krankheit.

Ein weiteres Highlight an diesem Nachmittag war die Begegnung mit Martin Bietendorf, den ich hier jetzt nicht noch einmal für seine angenehme Sprache und sein insgesamt feines Auftreten bewundere. Das habe ich schon mehrmals getan. Seine Indikationsgruppe Selbstsicherheitstraining im sog. Medienraum damals habe ich in sehr guter Erinnerung und auch den Running Gag von damals: „Wohlsein!“ Mir gefiel – meine Güte ja, einmal sag‘ ich’s noch – seine Herzlichkeit und Klarheit im Umgang mit den Patienten. Er sprach mich an, als ich auf der Anwesenheitsliste nach Namen suchte und sagte mir, dass er regelmäßig den Suchtbericht lese. Er war im Bild über mich und meine Selbsthilfegruppe GGG. Mich hat gefreut, dass ich ihm Gisela vorstellen konnte, denn sie hatte schon viel von ihm gehört – und sie stimmt mir in meiner Meinung über ihn absolut zu.

Zuweilen ist es halt so, dass einem Menschen begegnen, die in ihrer souveränen Freundlichkeit und Anständigkeit – doofes Wort, aber ein besseres fällt mir gerade nicht ein – verblüffen und als Vorbild dienen können. (Wenn man es denn zulässt.)

Zu diesen zählt übrigens auch der Therapeut Norbert König, der mich damals beim Üben des aktiven Zuhörens in der Indikationsgruppe Kommunikationstrainig nachhaltig beeindruckt hat. Ich habe ihn zwar am Sonnabend gesehen, konnte ihn aber nicht sprechen, was ich bedauerlich finde.

Da ich die Besucher des Jahrestreffens nicht zeigen kann, hier etwas ebenso Schönes: Blumen

Walter Maronde, Co-Therapeut „meiner“ Gruppe sieben, war auch zugegen und zwar als Mitglied einer Band. :-) Als ich ihn umarmte (Ich habe an dem Tag so viele Menschen umarmt wie sonst in zwei Monaten nicht. Quatsch, in fünf Monaten.) meinte er, „wenn das jetzt jemand filmt!“  Leider kam auch hier das Gespräch zu kurz.

Als es Zeit wurde, wieder aufzubrechen, sprachen Gisela und ich noch kurz mit Superhero Horst Schwennen. Ein Foto wurde gemacht und dann saßen Gisela und ich im Auto auf dem Parkplatz und hielten noch eine Weile inne. Mir kamen die Tränen und ich ließ es zu. Dann fuhren wir langsam nach Hause und unterhielten uns während der ganzen Fahrt. Um diesem Tag die gebührende Ehre zu geben, gingen wir noch in ein Restaurant und abends sahen wir uns den Film „Elling“ an, der für mich eine bestimmte Bedeutung im Zusammenhang mit der Klinik hat. (Herzlichen Dank an einen netten Menschen!)

Die Eindrücke des Tages sind gewaltig. So groß die Vorfreude war, so groß ist die Nachfreude. Es hat mir gut getan, mich zu zeigen und andere zu sehen, Erinnerungen zu genießen und meine Dankbarkeit für die Zeit im Marienstift zu empfinden. Ich nahm eine große Menge an unterschiedlichen Gefühlen wahr („Darf’s noch ein Pfund mehr sein?“) und alle hatten ihre Berechtigung: Traurigkeit, Enttäuschung, Dankbarkeit, Freude, Stolz, Aufgeregtheit, Anerkennung.

Ich werde auch im kommenden Jahr das Jahrestreffen besuchen. Und dann werde ich die Gelegenheit wahrnehmen, auch mit denen zu reden, die ich dieses Mal nicht „erwischte“.

Und ich werde wieder bewegt sein.
Und ich werde wieder weinen.
Und ich werde immer noch spielfrei und trocken sein.
Denn so soll es sein.

Versprechend: Weitermachen!

 

Durchgangsgefühle, stete Tropfen und geheimes Chaos oder Tipps für Fortgeschrittene

Damit ein Lehrgang kein Leergang wird, musst Du schon mitarbeiten. Das gilt auch in der Glüksspielsucht.
Damit ein Lehrgang kein Leergang wird, musst Du schon mitarbeiten. Das gilt auch in der Glüksspielsucht.

Ein herausragender Mensch macht gerade eine Weiterbildung im Trauerbereich. Er lernt dort einige Thesen kennen, die ich ohne große Veränderungen auf meine Gruppenarbeit übertragen kann.

Wir dürfen als Gruppenmitglieder keine Angst vor großen Gefühlen oder dem Gefühl von Leere und Depressivität haben – sondern müssen die Erfahrung machen, dass diese Gefühle zum Leben gehören und Durchgangsgefühle sind.

Es sind alle Emotionen erlaubt und wichtig: Auch Rückzug, Suizidalität, zorniges Anklagen, Schuldgefühle.

Um die eigene Selbstwahrnehmung zu fördern, gibt es einige Hilfsmittel. Man kann sich in einem Bild/Foto/Grafik spiegeln: Suche Dir ein Bild aus einer Kartei, das Deiner gegenwärtigen Stimmung am besten entspricht und stelle es der Gruppe vor.

In meiner Selbsthilfegruppe GGG – Gemeinsam gegen Glücksspielsucht e.V. starten wir zu Beginn und zum Ende jeweils eine „Befindlichkeitsrunde.“

  • Was belastet mich im Moment?
  • Welche Gedanken gehen in mir vor?
  • Welche Gefühle begleiten mich gerade?
  • Was spüre ich in meinem Körper?
  • Was würde ich jetzt am ehesten tun?
  • Finde ich einen Begriff für meine derzeitige Gefühlslage?

Meist ist es so, dass in der Eröffnungsrunde auf die Gefühle selten eingegangen wird. Der Weg zu den eigenen Emotionen ist oft weit und beschwerlich. Wer weiß das besser als ich? Ich sage daher in jeder Anfangsrunde der Gruppenstunde, wie ich mich fühle, um ein Beispiel zu geben.

Manchmal sagt ein Gruppenmitglied, dass alles okay ist und es sich gut fühlt. Im Laufe des Abends sprechen wir darüber und erfahren von einem völligen Chaos, von traurigen Zuständen – und erst dann wird dem Mitglied bewusst, in welcher Situation es sich eigentlich befindet.

Als ob erst dann die Tür zur Gefühlswelt, das Tor zur realen Situation geöffnet wird. Leider habe ich oft den Eindruck, dass unmittelbar nach der Gruppenstunde dieses Tor wieder geschlossen wird. Doch ich gebe nicht auf: Steter Tropfen höhlt den und so weiter …

Und wie geht es mir persönlich?

Gestern war ein sehr erfolgreicher Tag für mich, auf allen Ebenen, nicht nur beruflich. Ich habe eine große Dankbarkeit gefühlt und merkte irgendwann, dass ich „heulig“ bin, nah am Wasser gebaut. Das ist für mich sehr anstrengend.

Als meine Frau abends nach Hause kam und wir gesprochen haben, erzählte ich es ihr. Mir kamen die Tränen – und es war in Ordnung. Die Erde hat sich nicht aufgetan, es gab kein Erdbeben und ich bin nicht gestorben!

Ich war ehrlich und wahrhaftig – das ist der einzige Weg für mich als Süchtiger, abstinent zu bleiben!

Deshalb nur so: Weitermachen!

PS: Ich wünsche S. viel Erfolg in der stationären Therapie!

Darf ich Euch ein Märchen erzählen?

Man sollte nicht jeder Software trauen. Foto: SeanPrior/clipdealer.com
Man sollte nicht jeder Software trauen.
Foto: SeanPrior/clipdealer.com

Es war einmal ein ziemlich intelligenter Fürst, der handelte mit Billardtischen. Eines Tages kaufte er einem Händler dessen Geldspielautomaten ab. Und die Importrechte sicherte er sich auch noch.

Diese Geräte gefielen dem Klugen sehr. Er baute selbst einige davon. Die waren gut.

Die Firma des Fürsten war erfolgreich, sehr erfolgreich. Und wurde immer größer. Bald verkaufte der Mann nicht nur in seinem Land, sondern international.

Er wurde reich. Also ich meine, nicht nur sehr wohlhabend, sondern wirklich reich. Richtig tüchtig reich. Er wurde sogar einer der reichsten Menschen der Welt.

Weil seine Geldspielautomaten jedes neue Gesetz zum Schutz der Spielsüchtigen geschickt umgingen. Man konnte jetzt nicht nur Geld gewinnen, sondern auch Punkte. Und die konnte man sich dann später auszahlen lassen. Und dann gab es irgendwann Punkte von den Punkten von dem Geld. Oder so. Alles nicht so leicht zu durchschauen. Aber sehr clever gemacht.

Der kluge Fürst lebte gut von den Süchtigen. Fast ausschließlich Süchtige spielten an seinen Automaten.

Die Spiele wurden immer schneller. Der kluge Fürst wusste nämlich, dass die Zeitintervalle in der Glücksspielsucht wichtig sind. Damit die Suchtis bei der Stange bleiben.

Um noch mehr Geld zu verdienen, betrat der Mann das gigantisch große Universum der Korruption. Behörden sind schließlich auch nur Menschen. Deshalb lief alles wie geschmiert. Minister, Staatsekretäre – na eben alle wichtigen Entscheider freuten sich über die eine oder andere Handreichung.

Irgendwann eroberte der Mann die Hälfte des Daddelmarktes des Nebenlandes. Und den Besitzern vieler anderer Spielhallen dort verkaufte er seine Automaten.

Die Besitzer waren erst froh über diese tollen Automaten. Sie hatten eine prima Software. Später wurden die Besitzer der schönen Spielhallen allerdings misstrauisch und traurig. Sie glaubten nämlich, dass der Fürst sie mit Automaten belieferte, deren Software darauf angelegt war, übermäßig viel Geld auszuzahlen.

Das wäre schlimm, denn ein armer Spielhallenbesitzer – also, ehrlich, das wäre wirklich peinlich!

Die Behörde, die für die Spielautomaten zuständig war, wusste von den Fehlern in der Software. Einer dieser schönen Automaten spuckte ca. 1.000 Euro im Monat zu viel aus. Das half zwar den Süchtigen nicht, denn die steckten das Geld sowieso wieder in das Gerät. Aber es ärgerte die Spielhallenbesitzer.

Das Ministerium sagte dem Hersteller, er solle „den Markt bereinigen.“ Also die Software umschreiben. Der tat das auch. Das Ministerium mochte den Hersteller. Schließlich war ein ehemaliger Minister sogar im Aufsichtsrat der Firma des Herstellers.

Die Spielhallenbetreiber des Nebenlandes blieben aber bei ihrem Verdacht. Es ärgerte die Daddelbranche so sehr, dass sie gegen den klugen Fürsten klagte.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann verklagen sie sich weiterhin gegenseitig, weil sie noch mehr Geld verdienen wollen an den Süchtigen.

Als Märchenonkel grüßend: Weitermachen!

PS: Manche Märchen enden gut. Dieses nicht.

Im Zeichen der Sonne: Versteckspiel und gute Wünsche

spielhalle-sonne

Nervig, laut, mit hektischem Bildschnitt und leeren Versprechungen: So kennen wir Fernseh- und Radiowerbung. Zur jedenfalls unpassenden Zeit wird ohne Rücksicht auf das laufende Programm eben dieses unterbrochen. Und dann sehen wir sprechende Klodeckel, munter drauflos plappernde Bazillen, verfolgen hippe Sportschuh-Youngster und teilen das schlechte Gewissen einer deutschen Hausfrau, die das Feudeln des Küchenbodens wieder einmal nicht richtig hingekriegt hat.

Seit ein paar Monaten allerdings hat sich die Fernsehwerbelandschaft verändert. Und zwar zum Schlechten. Gelegentlich erscheint zwischen guten Filmen (selten) oder typischem Fernsehschrott (oft)(ehrlich, sehr oft) eine Sonne, die langsam durch das Bild zieht und dann untergeht. Begleitet wird dieser Sonnenuntergang von der frohen Botschaft. Allerdings nicht der des Herrn. Sondern es heißt da, man wünsche dem Zuschauer einen glücklichen Abend und eine gute Nacht.

An und für sich ist das ja eine lobende Geste. Nette Menschen wünschen einem gerne mal einen schönen Abend. Oder guten Morgen. Leider ist diese Sonne jedoch die des Merkur-Imperiums. Sie findet sich im Logo des Spielhallenbetreibers wieder. Nennt mir einen Glücksspielsüchtigen, der diese Sonne nicht kennt. Dem diese Sonne keinen Appetit aufs Zocken macht. Die ihn quasi sabbern lässt.

Ich habe in den letzten Wochen und Monaten viel mit Süchtigen gesprochen, die sich sehr über diese Art der Werbung ärgern. Immerhin ist Werbung für öffentliches Glücksspiel im Fernsehen (§ 7 des Rundfunkstaatsvertrages), im Internet sowie über Telekommunikationsanlagen verboten. Und dann gibt es reichlich Glücksspielsüchtige, die durch diese Werbung angetriggert werden. Was mich dabei fasziniert: Fast nur Süchtigen ist diese Sonne im Fernsehen bisher aufgefallen. Frag einen Gesunden: Der weiß meistens nicht, dass diese Sonne erscheint. Er übersieht diese Werbung einfach.

Was mich zu einer Frage führt: Warum erscheint diese Werbung überhaupt? Welchen Zweck hat sie, wenn sie doch nur von einem verschwindend geringen Teil der Zuschauer wahrgenommen wird?

Möglicherweise – und ich will das hier zur Diskussion stellen und nicht etwa fest behaupten, sonst erhalte ich wieder Anwaltspost von Größen der Glücksspielbranche – lohnt es sich einfach wirtschaftlich, diesen geringen Teil der Zuschauer zu locken.

Glücksspielsüchtige haben keine Kontrolle über das Spiel. Nicht sie kontrollieren das Spiel, sondern das Spiel kontrolliert sie. Ob am Pokertisch, im staatlichen Spielcasino oder in der Spielhalle – wenn sie dort sitzen und zocken, dann geht ihr ganzes Geld flöten. Über kurz oder lang. Und das scheint sich für manche Anbieter zu rechnen.

Warum ich das überhaupt erwähne? Weil es mich ärgert, dass mit Süchtigen Geld gemacht wird. Weil es mich ärgert, dass es Firmen gibt, die zu einem Großteil von Süchtigen leben. Und die sich einen Trick nach dem anderen ausdenken, doch noch Werbung zu ermöglichen.

Sauer: Weitermachen!