Kämpfer gesucht!

Ich suche Kämpfer.
Ich suche Kämpfer.

Das Fernsehen der Neuen Züricher Zeitung ist → NZZ Format. Diese Reihe bringt Berichte, „die vertiefte Information vermitteln statt bloß Informationshäppchen verteilen und die zuerst einen Sachverhalt erklärend darstellen, bevor sie die kritische Sonde ansetzen. Mit diesem Ansatz wird auch ein gehobenes Publikum erreicht, das mit dem mehrheitlich unterhaltungsorientierten Fernsehangebot wenig anfangen kann.“ (Eigenauskunft)

Für eine Dokumentation – nicht für eine Reportage, wie ich gestern gelernt habe – über Glücksspielsucht sucht NZZ Format noch einen Kämpfer oder eine Kämpferin, die zwar schon erkannt haben, dass sie mit dem Spielen aufhören sollten, denen es aber immer noch sehr schwer fällt, mit ihrer Sucht gesund umzugehen.

Zusammen mit mir würde diese/r Kämpfer/in zwanglos über sich und die Glücksspielsucht berichten können. Und damit einer enorm großen Menschenmenge wichtige Informationen und Hilfe vermitteln.

Sybille Tiessen, die Macherin dieser Dokumentation, war gestern bei Gisela und mir – es war ein sehr angenehmes, offenes, berührendes Gespräch.

Wer bereit ist, sich der Kamera, der Öffentlichkeit und damit auch seiner Sucht zu stellen, der möge mir doch bitte mailen: → kai.sender@suchtbericht.de

Ich freue mich auf Euch!

 

 

 

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Drei Jahre braucht der Mensch!

Foto

Gestern:

Drei Jahre spielfrei, auf den Tag genau.

  • Drei Jahre Leben wieder neu aufgebaut, mich selbst angeschaut, im Spiegel betrachtet.
  • Drei Jahre Besuch der Selbsthilfegruppe, anderen Teilnehmern zugehört, geantwortet, von mir selbst erzählt.
  • Drei Jahre über Sucht gelernt, über Spielsucht im speziellen.
  • Drei Jahre Gruppenmitglieder kommen und gehen sehen.
  • Drei Jahre die meisten – fast alle – wieder wegbleiben sehen, kneifen, flüchten sehen.
  • Drei Jahre gelernt, Gefühle wahrzunehmen, anzunehmen, über sie zu reden, sie zu zeigen.
  • Drei Jahre Gespräche mit Inhalt geführt.
  • Drei Jahre Ehrlichkeit gelebt, Klarheit, Wahrheit.
  • Drei Jahre wieder versucht, ein guter Ehemann zu sein.
  • Drei Jahre, in denen ich meinen Gott wiedergefunden habe.
  • Drei Jahre, in denen ich lernte, meine Angst und meine Sorgen zu benennen.
  • Drei Jahre, in denen ich für andere zu einem Vorbild geworden bin.
  • Drei Jahre … die mir geschenkt wurden – und die ich genutzt habe.
  • Drei Jahre mit meinem Lebensmensch Gisela genossen.
  • Drei Jahre Dankbarkeit.
  • Drei Jahre Power.

Weitermachen!

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Ja doch, meine Freiheit!

Meine Spielfreiheit wird verteidigt. Aber sicher! Foto: © Igor Yaruta - Fotolia.com
Meine Spielfreiheit wird verteidigt. Aber sicher!
Foto: © Igor Yaruta – Fotolia.com

 

Ja doch, ich lebe noch. Ich habe nur wenig Zeit – oder eher: Ich bin zu faul gewesen, in den letzten zwei Wochen meinen Suchtbericht abzugeben, denn die Firma, in der ich jetzt beschäftigt bin, steht kurz davor, ihr Onlineportal zu starten. Das bedeutet Stress.

Abends bin ich daher sehr müde, aber auch sehr befriedigt.

Ich genieße diese Normalität: Gisela und ich sitzen abends zusammen beim Abendbrot, wir berichten uns vom Tag und das sehr intensiv. Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich tagsüber leiste und weiß, warum ich das genießen kann, warum ich überhaupt ein normales Leben führen kann, ein reiches Leben: Weil ich spielfrei bin.

Das ist die Grundlage für alles. Spielfreiheit bedeutet in erster Linie Freiheit.

Dass ich diese Freiheit heute habe, ist zu einem großen Teil der Verdienst meiner Frau, die zu mir gestanden hat. Ihr sagte neulich jemand, sie sei aber auch sowas von loyal, das sei ja selten.

Stimmt!

Durch ihre Hilfe, durch die Perspektive auf ein glückliches gemeinsames Leben mit ihr, habe ich den Mut gehabt, mich der Sucht zu stellen. Habe ich die Kraft dafür gehabt, eine Therapie anzutreten.

Meine Spielfreiheit ist mein wertvollstes Gut, meine Ehefrau ist mein wertvollster Mensch.

So einfach ist das.

Daher simpel: Weitermachen!

PS: Ich habe einen Freund. Dem geht es nicht gut. Deshalb geht mir auch nicht so gut. Ich denke oft an ihn. Ich hoffe für ihn. Alles Liebe und Gute!

PPS: Grüße an Sabine und Helgo, die treuen Seelen

PPPS: Hallo Toni, meine Liebe! Halt‘ Dich tapfer!

 

 

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Im Zeichen der Sonne: Versteckspiel und gute Wünsche

spielhalle-sonne

Nervig, laut, mit hektischem Bildschnitt und leeren Versprechungen: So kennen wir Fernseh- und Radiowerbung. Zur jedenfalls unpassenden Zeit wird ohne Rücksicht auf das laufende Programm eben dieses unterbrochen. Und dann sehen wir sprechende Klodeckel, munter drauflos plappernde Bazillen, verfolgen hippe Sportschuh-Youngster und teilen das schlechte Gewissen einer deutschen Hausfrau, die das Feudeln des Küchenbodens wieder einmal nicht richtig hingekriegt hat.

Seit ein paar Monaten allerdings hat sich die Fernsehwerbelandschaft verändert. Und zwar zum Schlechten. Gelegentlich erscheint zwischen guten Filmen (selten) oder typischem Fernsehschrott (oft)(ehrlich, sehr oft) eine Sonne, die langsam durch das Bild zieht und dann untergeht. Begleitet wird dieser Sonnenuntergang von der frohen Botschaft. Allerdings nicht der des Herrn. Sondern es heißt da, man wünsche dem Zuschauer einen glücklichen Abend und eine gute Nacht.

An und für sich ist das ja eine lobende Geste. Nette Menschen wünschen einem gerne mal einen schönen Abend. Oder guten Morgen. Leider ist diese Sonne jedoch die des Merkur-Imperiums. Sie findet sich im Logo des Spielhallenbetreibers wieder. Nennt mir einen Glücksspielsüchtigen, der diese Sonne nicht kennt. Dem diese Sonne keinen Appetit aufs Zocken macht. Die ihn quasi sabbern lässt.

Ich habe in den letzten Wochen und Monaten viel mit Süchtigen gesprochen, die sich sehr über diese Art der Werbung ärgern. Immerhin ist Werbung für öffentliches Glücksspiel im Fernsehen (§ 7 des Rundfunkstaatsvertrages), im Internet sowie über Telekommunikationsanlagen verboten. Und dann gibt es reichlich Glücksspielsüchtige, die durch diese Werbung angetriggert werden. Was mich dabei fasziniert: Fast nur Süchtigen ist diese Sonne im Fernsehen bisher aufgefallen. Frag einen Gesunden: Der weiß meistens nicht, dass diese Sonne erscheint. Er übersieht diese Werbung einfach.

Was mich zu einer Frage führt: Warum erscheint diese Werbung überhaupt? Welchen Zweck hat sie, wenn sie doch nur von einem verschwindend geringen Teil der Zuschauer wahrgenommen wird?

Möglicherweise – und ich will das hier zur Diskussion stellen und nicht etwa fest behaupten, sonst erhalte ich wieder Anwaltspost von Größen der Glücksspielbranche – lohnt es sich einfach wirtschaftlich, diesen geringen Teil der Zuschauer zu locken.

Glücksspielsüchtige haben keine Kontrolle über das Spiel. Nicht sie kontrollieren das Spiel, sondern das Spiel kontrolliert sie. Ob am Pokertisch, im staatlichen Spielcasino oder in der Spielhalle – wenn sie dort sitzen und zocken, dann geht ihr ganzes Geld flöten. Über kurz oder lang. Und das scheint sich für manche Anbieter zu rechnen.

Warum ich das überhaupt erwähne? Weil es mich ärgert, dass mit Süchtigen Geld gemacht wird. Weil es mich ärgert, dass es Firmen gibt, die zu einem Großteil von Süchtigen leben. Und die sich einen Trick nach dem anderen ausdenken, doch noch Werbung zu ermöglichen.

Sauer: Weitermachen!

 

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Darf ich Euch ein Märchen erzählen?

Man sollte nicht jeder Software trauen. Foto: SeanPrior/clipdealer.com
Man sollte nicht jeder Software trauen.
Foto: SeanPrior/clipdealer.com

Es war einmal ein ziemlich intelligenter Fürst, der handelte mit Billardtischen. Eines Tages kaufte er einem Händler dessen Geldspielautomaten ab. Und die Importrechte sicherte er sich auch noch.

Diese Geräte gefielen dem Klugen sehr. Er baute selbst einige davon. Die waren gut.

Die Firma des Fürsten war erfolgreich, sehr erfolgreich. Und wurde immer größer. Bald verkaufte der Mann nicht nur in seinem Land, sondern international.

Er wurde reich. Also ich meine, nicht nur sehr wohlhabend, sondern wirklich reich. Richtig tüchtig reich. Er wurde sogar einer der reichsten Menschen der Welt.

Weil seine Geldspielautomaten jedes neue Gesetz zum Schutz der Spielsüchtigen geschickt umgingen. Man konnte jetzt nicht nur Geld gewinnen, sondern auch Punkte. Und die konnte man sich dann später auszahlen lassen. Und dann gab es irgendwann Punkte von den Punkten von dem Geld. Oder so. Alles nicht so leicht zu durchschauen. Aber sehr clever gemacht.

Der kluge Fürst lebte gut von den Süchtigen. Fast ausschließlich Süchtige spielten an seinen Automaten.

Die Spiele wurden immer schneller. Der kluge Fürst wusste nämlich, dass die Zeitintervalle in der Glücksspielsucht wichtig sind. Damit die Suchtis bei der Stange bleiben.

Um noch mehr Geld zu verdienen, betrat der Mann das gigantisch große Universum der Korruption. Behörden sind schließlich auch nur Menschen. Deshalb lief alles wie geschmiert. Minister, Staatsekretäre – na eben alle wichtigen Entscheider freuten sich über die eine oder andere Handreichung.

Irgendwann eroberte der Mann die Hälfte des Daddelmarktes des Nebenlandes. Und den Besitzern vieler anderer Spielhallen dort verkaufte er seine Automaten.

Die Besitzer waren erst froh über diese tollen Automaten. Sie hatten eine prima Software. Später wurden die Besitzer der schönen Spielhallen allerdings misstrauisch und traurig. Sie glaubten nämlich, dass der Fürst sie mit Automaten belieferte, deren Software darauf angelegt war, übermäßig viel Geld auszuzahlen.

Das wäre schlimm, denn ein armer Spielhallenbesitzer – also, ehrlich, das wäre wirklich peinlich!

Die Behörde, die für die Spielautomaten zuständig war, wusste von den Fehlern in der Software. Einer dieser schönen Automaten spuckte ca. 1.000 Euro im Monat zu viel aus. Das half zwar den Süchtigen nicht, denn die steckten das Geld sowieso wieder in das Gerät. Aber es ärgerte die Spielhallenbesitzer.

Das Ministerium sagte dem Hersteller, er solle „den Markt bereinigen.“ Also die Software umschreiben. Der tat das auch. Das Ministerium mochte den Hersteller. Schließlich war ein ehemaliger Minister sogar im Aufsichtsrat der Firma des Herstellers.

Die Spielhallenbetreiber des Nebenlandes blieben aber bei ihrem Verdacht. Es ärgerte die Daddelbranche so sehr, dass sie gegen den klugen Fürsten klagte.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann verklagen sie sich weiterhin gegenseitig, weil sie noch mehr Geld verdienen wollen an den Süchtigen.

Als Märchenonkel grüßend: Weitermachen!

PS: Manche Märchen enden gut. Dieses nicht.

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